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Letzte Änderung:
19.06.2013

    

 
 

Ingenieurmangel im deutschen Mittelstand
Ein Kommentar

Dipl.-Inf. Olaf Barheine

In Deutschland fehlen Ingenieure - und das nicht zu knapp! Dabei ist der Mittelstand erfahrungsgemäß besonders hart betroffen. Viele der ausgeschriebenen Positionen in Forschung und Entwicklung können nicht besetzt werden. Das verdeutlicht auch ein Blick auf die Homepages vieler kleiner und mittelständischer Unternehmen und in die Stellenmärkte der Tageszeitungen sowie die einschlägigen Jobbörsen im Internet. Stellenangebote für Ingenieure sind dort reichlich zu finden – wochenlang, ja, manchmal sogar monatelang. Offenbar ohne Erfolg. Ich kenne auch Unternehmen, die bereits Kopfprämien von 1.000 Euro und mehr ihren Mitarbeitern in Aussicht stellen, wenn sie erfolgreich neue Ingenieure werben. Andere Unternehmen sehen aufgrund des Ingenieurmangels inzwischen sogar ihre Existenz am Standort Deutschland bedroht und erwägen eine Standortverlagerung ins Ausland.

 

Freiberufler könnten die Lage entschärfen
 
Warum immer noch so wenig mittelständische Unternehmen angesichts dieser Situtuation auf Freiberufler setzen, bleibt ein Rätsel. Der verstärkte Einsatz freier Mitarbeiter kann die angespannte Lage am Arbeitsmarkt zwar nicht beseitigen, aber die Situation zumindest entschärfen. Die großen Konzerne haben das längst erkannt und setzen verstärkt auf Externe. Und die Anzahl der Freiberufler wächst: In den einschlägigen Datenbanken für Freiberufler sind Tausende von IT-Fachkräften registriert. Manch Arbeitsmarktexperte geht davon aus, dass das Freiberuflertum zumindest im Ingenieursektor das Arbeitsmodell der Zukunft sein wird. Hochflexible Mitarbeiter, die sich auf Zeit, weltweit für ein bestimmtes Projekt zusammenfinden und komplexe Aufgabenstellungen lösen. Und die Unternehmen profitieren von Freiberuflern in vielerlei Hinsicht.

 

Leistungsbezogene Entlohnung
 
Freiberufler werden in der Regel pauschal oder auf der Basis von Stunden- oder Tagessätzen entlohnt. Ein Anspruch auf Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld oder Lohnfortzahlung gibt es nicht. Und auch für die Sozialversicherungsleistungen wie Krankenversicherung und Altersvorsorge sowie Abfuhr der Steuern sorgt der Freiberufler selbst. Der Verwaltungsaufwand ist für den Auftraggeber dementsprechend gering und beschränkt sich im wesentlichen auf die Erfassung der Arbeitszeiten und die Abnahme der erbrachten Leistungen.

Die Verträge mit Freiberuflern können sehr flexibel gestaltet werden. In der Regel wird zwischen dem Auftraggeber und dem Freiberufler über eine vereinbarte Laufzeit ein Werkvertrag oder ein Dienstvertrag abgeschlossen. Hinzu kommt meistens noch ein Geheimhaltungsabkommen, in dem festgelegt wird, wie die Vertragspartner gegenseitig mit vertraulichen Informationen während und nach Ende des Projekts umzugehen haben.

 

Externes Know-how bringt frischen Wind ins Unternehmen
 
Aufgrund ihres reichhaltigen Erfahrungsschatzes können Freelancer wertvolle Informationen in die Projekte einbringen. Das kann sich über alle Phasen eines Projekts erstrecken, also bei Anforderungsanalyse, Entwurf, Implementierung, Integration und Systemtests. Davon profitiert vor allem der Auftraggeber. Auf diese Weise entstehen neue Ideen und Konzepte, Entwicklungsabläufe können optimiert werden, und die Wettbewerbsfähigkeit wird gestärkt.

Der Mensch lernt nie aus. Dieser Satz gilt natürlich auch für die wachsende Gemeinde der Freelancer, die sich in Eigenverantwortung ständig weiterbilden muss. Gerade im IT-Sektor ist der technologische Fortschritt gewaltig. Es gibt immer wieder neue Methoden, neue Tools, Hardwarekomponenten, neue Techniken etc. Da kann man schnell den Anschluss verlieren. Mit entsprechenden Fortbildungsmaßnahmen muss der Freiberufler dem begegnen.

 

Unternehmerisches Handeln und Denken
 
Selbstverständlich muss ein Freiberufler unternehmerisch handeln. Daran hapert es bei fest angestellten Mitarbeitern allzu häufig. Der Freiberufler muss für sich werben, er muss seine Buchhaltung pflegen, er muss sich in steuerlichen sowie betriebswirtschaftlichen Fragen auskennen und vieles mehr. Von dieser Geisteshaltung profitiert auch der Auftraggeber. Last, not least sind ein hohes Maß an Einsatzbereitschaft, Flexibilität, Motivation und Belastbarkeit wesentliche Grundvoraussetzungen, die jeder Freiberufler mitbringen sollte und in der Regel auch mitbringt.

 

Fazit
 
In Deutschland fehlen Ingenieure. Mittelständische Unternehmen sind erfahrungsgemäß härter betroffen als große Konzerne, die sich leichter tun, durch ihren hohen Bekanntheitsgrad und ein ausgefeiltes Personalmarketing neue Ingenieure zu akquirieren. Freiberufler können zumindest dazu beitragen, die Situation in den kleinen Unternehmen zu entschärfen und mit ihrem Know-how, die Projekte zu bereichern. Die Konzerne setzen bereits seit Jahren verstärkt auf freie Mitarbeiter und Ingenieurdienstleister, aber auch kleine und mittelständische Unternehmen, z.B. aus den Bereichen Maschinenbau, Automobilzulieferer oder Medizintechnik, begegnen den personellen Engpässen in ihren Entwicklungsprojekten immer häufiger mit externen Mitarbeitern. Und es zeichnet sich bereits ab, dass sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren sicherlich nicht entschärfen wird und Ingenieure weiterhin ein knappes Gut bleiben.
 

Copyright © 2013 Ingenieurbüro Barheine - Embedded Systems, Ettlingen
Dipl.-Inf. Olaf Barheine, Freiberufler, IT-Consultant, Programmierer
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